A History of Loneliness

Dieses Rezensionsexemplar habe ich von Lovelybooks zur Verfügung gestellt bekommen und ich durfte damit auch (leider sehr verspätet und immer wieder unterbrochen) an einer Leserunde teilnehmen. Es ist im Verlag Doubleday erschienen.

Beschreibung von Lovelybooks:
Odran Yates enters Clonliffe Seminary in 1972 after his mother informs him that he has a vocation to the priesthood. He goes in full of ambition and hope, dedicated to his studies and keen to make friends. Forty years later, Odran’s devotion has been challenged by the revelations that have shattered the Irish people’s faith in the church. He has seen friends stand trial, colleagues jailed, the lives of young parishioners destroyed and has become nervous of venturing out in public for fear of disapproving stares and insulting remarks. But when a family tragedy opens wounds from his past, he is forced to confront the demons that have raged within a once respected institution and recognise his own complicity in their propagation. It has taken John Boyne fifteen years and twelve novels to write about his home country of Ireland but he has done so now in his most powerful novel to date, a novel about blind dogma and moral courage, and about the dark places where the two can meet. At once courageous and intensely personal, A History of Loneliness confirms Boyne as one of the most searching chroniclers of his generation.

Meine Meinung:
Leider lese ich so wenige Bücher in englischer Sprache, dass es mir immer wieder schwer fällt, richtig einzutauchen und alles zu verstehe. Genau aus diesem Grund habe ich auch so lange für die Lektüre dieses Buches benötigt. Ausserdem gefällt mir dieses grosse englische Taschenbuchformat einfach nicht. Jede Seite ist so gross, dass ich jeweils nur ganz langsam weiterkomme im Text und dann nerve ich mich natürlich über mich selber. Aber "A History of Loneliness" war doch auch irgendwie anders. Eine sehr verständliche Sprache, klare Worte, Witz, Tragik und so viel Gesellschaftskritik haben mich auf meinem Leseweg begleitet. Ich musste nur wenige Dinge nachschlagen und habe ganz viel verstanden, was ich nie zu verstehen gedacht hätte. Ich kann ehrlich gesagt nicht genau erklären, woran dies liegt. Mein Englisch war nämlich noch nie gut und ist in der letzten Zeit auch sicher nicht besser geworden, weshalb ich wahrscheinlich auch nie eine Rezension in englischer Sprache verfassen werde. Aber ein wichtiger Grund ist sicher, dass die Geschichte von Odran Yates mich tief berührt, bestens unterhalten und immer wieder mit ihrer schlichten Sprache und trotzdem vorhandenen Wortgewaltigkeit überrascht, überzeugt und in ihren Bann gezogen hat.

Sprache und Handlung:
Nicht zu lange Sätze, schlichte Formulierungen und nicht zu ausufernde Beschreibungen machen dieses Buch leicht verständlich. Trotzdem geht eine ganz eigene Schönheit der Sprache mit der Schlichtheit einher. Das muss ja nicht zwingend ein Widerspruch sein, ist es aber sonst leider ziemlich häufig. Hier ist dies aber überhaupt nicht der Fall. Vor allem auch die klugen Dialoge mit ihrem manchmal sanften, manchmal scharfen Witz kriegen ein ganz eigenes Gewicht. Auch erfährt man immer wieder ein wenig etwas über die Innensicht von Odran, was eine besondere Nähe zum Protagonisten schafft.
Die Handlung passt meiner Meinung nach sehr gut zur Sprache, oder umgekehrt. Es geht ja wie bereits der Titel sagt um Einsamkeit in ihren verschiedenen Facetten. Fast schon karge Bilder unterstützen ein beklemmendes Gefühl, welches immer wieder auftaucht, wenn Odran aus seinem Leben erzählt, oder wenn wieder eine Situation eintrifft, die so ganz in ihrer eigenen Parallelwelt zu geschehen scheint. Odran ist nämlich ein ziemlicher Ausseinseiter. Als Priester denkt und handelt er im Verhältnis zu seinen Ordensbrüdern und im Verhältnis zu fast allen Mitmenschen in Irland sehr fortschrittlich, was ihn zu einem Sonderling, aber trotzdem zu einem sehr hoch angesehenen Menschen macht, da er vor allem in der Jugendarbeit und im Umgang mit eher komplizierten "Fällen" sehr initiativ ist und einen kühlen Kopf bewahrt, wo andere verzweifeln.
Ein grosses Thema im Buch sind immer wieder die katholische Kirche und ihre Machenschaften. Es wird aber auch gezeigt, dass einzelne Priester oder andere Ordensleute nicht in einen Topf zu werfen sind mit der mafiösen Institution "Kirche", sondern dass es auch in der katholischen Kirche so gute Menschen gibt, wie Odran.

Die Einsamkeit:
Die eigentliche Protagonistin in diesem Buch ist die Einsamkeit als Gefühl und als Situation. Immer wieder begenen wir ihr auf unterschiedlichste Weise und wir finden sie vor allem auch da, wo wir sie nicht erwarten. Odran, als Priester schon fast zur privaten Einsamkeit verdammt, ist nur das offensichtlichste Beispiel. Aber auch seine viel zu früh an Alzheimer erkrankte Schwester, die nun in ihrer eigenen Welt lebt, oder auch die konservativen irischen Dorfbewohner, die von den Fortschritten der Welt überrollt werden, gehören in diese Kathegorie.
So erstaunt es natürlich nicht, dass "A History of Loneliness" auch ein sehr trauriges und berührendes Buch ist, das nicht ganz leicht zu verdauen war.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch eignet sich auch für Leser, die nicht so sicher im Lesen der englischen Sprache sind, die sich aber für grosse und traurige Gefühle und für einen ganz feinen und manchmal scharfzüngigen Humor erwärmen können. Ich empfehle es sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Autor: John Boyne
Flexibler Einband: 384 Seiten
Sprache: Englisch
Verlag: Doubleday
ISBN 9780857520951

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