Ein Licht für den Frieden


Nach stillen und sprachlosen Tagen fühle auch ich das Bedürfnis in mir, ein paar Worte mit euch zu teilen, obwohl schon so viel gesagt und geschrieben worden ist und wer mag und mein Friedenslicht in die Welt hinaus tragen will - und darum bitte ich - darf sich selbstverständlich an Text und Bild bedienen. Gerne mit Verweis auf die Quelle.

Wahrscheinlich ist es für uns alle - vielleicht zum Glück - unvorstellbar, was es bedeutet, keine Zukunft und keine Chancen im eigenen Land zu sehen. Zu wissen, dass die eigenen Kinder auf der Strasse leben werden müssen, nie eine Heimat haben dürfen, stets dazu verdammt sein werden, auf der Flucht zu sein... Unvorstellbar. Ständig an Leib und Leben bedroht zu sein, täglich hunderte Menschen sterben zu sehen und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung zu haben... Undenkbar.

Aber genau dann, wenn Menschen unter solchen Bedingungen leben und sterben müssen, suchen sie Erfüllung und Kraft im Glauben und der Religion oder zumindest in der Spiritualität und Meditation. Bis hierhin können wir wohl alle folgen, ja, kennen vielleicht diese Suche nach Erfüllung von uns selber aus Situationen, in denen wir uns von der Welt verlassen gefühlt haben.

Bei extemer denkenden Menschen wird Religion zu Obsession. Und gerade in Ländern, in denen sich Menschen vielmehr als hier im "Westen" durch ihre Religion und den persönlichen Glauben definieren und von anderen abgrenzen, kann dies noch schneller geschehen. Und dann geschieht auch, was immer in der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit geschieht; man sucht nach Gründen, Antworten, Verantwortlichen, Schuldigen, Sündenböcken. Da wird schnell einmal unter anderem der Westen und seine Werte, sowie die scheinheilige Aussenpolitik (Stichwort Waffen und Erdöl, aber auch "gezielte" Einsätze in Krisengebieten) - manchmal sogar zu recht - verantwortlich gemacht für die eigene Lebenssituation.

Summiert sich nun dies alles auf und formieren sich Gruppen, die der Jugend im eigenen Land und auf der ganzen Welt scheinbare Erlösung von allem Leid, eine Ideologie und ein Ziel, ein gemeinsames Feindbild und eine Idee, für die es sich zu kämpfen lohnt, versprechen, landen wir da, wo wir jetzt sind.

Dass Menschen mit einer von eigenen korrupten Regierungen und Organisationen und von anderen Ländern und Mächten zerstörten Gesellschaft, mit zerbrochenen Träumen, ohne Sicherheit und Hoffnung, permanent mit dem Bild von Reichtum und Luxus der "anderen" und der eigenen, im Vergleich dazu aussichtslosen, Lebenssituation vor Augen, sich nun auflehnen und für eine bessere Zukunft, ein besseres Leben und persönlichen Frieden kämpfen wollen, verstehe ich. Dass sie sich dabei zusammen tun und weltweit organisieren, scheint einleuchtend.
Dass sie aber davon überzeugt sind, ihren Frieden nur zu finden, indem sie anders denkende, fühlende und handelnde Menschen auf bestialischste Art und Weise foltern, verstümmeln und ermorden, dass sie sich über alle geltenden Regeln, Grenzen und Gesetze hinwegsetzen und einen eigenen Staat gründen und verteidigen wollen, in dem es keine Menschlichkeit mehr gibt und dass sie diese Taten und Ziele mit einer Religion verbinden begründen  und rechtfertigen, ist auf das Schärfste zu verurteilen und da hört bei mir alles und jedes Verständnis auf.

Hilflos, wortlos, ohnmächtig sitze ich da und verfolge, was auf der Welt und nun aktuell in Frankreich passiert und lebe in der ständigen Angst, von weiteren Schreckensnachrichten erreicht zu werden. Was bis jetzt nicht in unmittelbarer Nähe geschehen ist und somit auch für uns nicht immer fassbar war - wenn es auch immer schon so schwerwiegend und dramatisch war - macht nun auch vor Europa, vor unserer Haustüre, unserem scheinbar sicheren Leben, nicht halt. Und auch wenn ich verstehe, dass Menschen ohne jegliche Hoffnung manchmal zu heftigen Mitteln greifen und auch wenn ich dem "Westen" eine gewisse Schuld an der aktuellen Situation auf diesem eigentlich so schönen Planeten wirklich nicht absprechen kann, so gibt es doch keine Entschuldigung, für alles, was geschehen ist. Erst recht nicht wenn man bedenkt, dass diese von Machthabern geschaffenen Ausgangslagen nicht von einzelnen Menschen verändert werden können und dass sich sämtliche angestaute Wut und jeglicher Hass immer gegen die Falschen richtet. Gegen unschuldige Zivilisten. Einmal mehr. Wie es auch in Syrien die Zivilisten trifft. Einmal mehr.

Und dieser Kreislauf der zu Unrecht getöteten und blind und rasend vor Wut rächenden Menschen auf allen Seiten kann nicht mit Gewalt durchbrochen werden. Frieden lässt sich nicht mit Waffen erzwingen, Frieden herrscht nicht, Frieden entsteht in und um uns nur, wenn jeder bei sich selber beginnt und wenn dieser Frieden behütet, gepflegt und immer weiter getragen wird.

Heute melde ich mich hier und jetzt zu Wort, weil heute bereits so viele den Attentätern zustimmende Posts hundertfach geteilt worden sind. Heute habe ich Zustimmung von Extremisten gelesen, gesehen und gehört und dies trifft mich schlimmer als jede Schreckensmeldung in den Medien. Genau so mächtig und fatal ist aber auch die fremdenfeindliche und abschottende Bewegung, die nicht differenziert und alle Muslime in einen Topf wirft, die verurteilt, verachtet und damit verletzt und provoziert. Die Flamme des Hasses greift um sich, züngelt, brennt und zerstört alles, was sich ihr in den Weg stellt und so lange diese Flamme geschürt wird, so lange es auch hier so viele Menschen gibt, die an einen "heiligen Krieg" glauben und daran, dass die richtigen den Tod gefunden haben, so lange auch nur ein paar Menschen auf der ganzen Welt unterstützen und bejubeln, was geschehen ist, wird sich nichts ändern.

Reichen wir uns also die Hand, virtuell und auch im täglichen Leben, zünden wir ein Friedenslicht an, teilen wir unsere Gefühle und Emotionen, stehen wir zusammen und glauben weiter an die Hoffnung  und tragen unsere Anteilnahme und unsere Trauer weit in die Welt hinaus. Grenzen wir uns nicht ab, sondern öffnen wir uns. Suchen wir die Kommunikation und lassen die kleine und zerbrechliche Flamme des Friedens im Schutz unserer vorgehaltenen und ineinander verschränkten Hände wachsen und zu einem grossen, kräftigen, Trost und Hoffnung spendenden und nie erlöschenden Licht werden und die ganze Welt erhellen.

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