Rezension: Abgeschnitten

 
Abgeschnitten - Sebastian Fitzek/Michael Tsokos

Beschreibung des Verlages:
Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert.
Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert …

Meine Meinung:
Wer hier gestern vorbeigeschaut hat, ist vielleicht bei der Aktion gemütliches Lese-Miteinander gelandet, die ich vor ein paar Jahren ins Leben gerufen und gestern zum 29. Mal durchgeführt habe. Da habe ich im Verlaufe des Abends den Thriller "Abgeschnitten" begonnen und den nach dem gemütlichen Abend noch beendet, weil ich vor Angst nicht schlafen konnte einfach noch nicht müde war. Bis kurz vor 4.00 Uhr morgens las ich also in diesem Buch und möchte nun meine Eindrücke sofort veröffentlichen.
Mir hat das Buch grundsätzlich sehr gut gefallen, es beinhaltete ein paar Schreckmomente (vor allem am Anfang) und es geht manchmal auch ziemlich deftig zu und her. Ausserdem kommen Spannung und gerichtsmedizinische Details nicht zu kurz, was mir sehr gut gefallen hat. Sehr positiv ist mir auch der Schreibstil aufgefallen, der diese Geschichte zwar nüchtern erzählt, trotzdem aber ganz genaue, gruselige, detaillierte Beschreibungen liefert und die Handlung und die unterschiedlichen Empfinden der Figuren gut fassbar macht. 
Nur wirkte dann für mich doch alles ein wenig zu konstruiert, was leider der sonst sehr durchdachten Geschichte eine unglaubwürdige Note verliehen hat. Besonders gut gefallen hat mir dann aber die gesellschaftskritische Seite, die sowohl vor und nach der eigentlichen Handlung mit eindeutigen und originalen Zeitungsberichten über die Veruteilung verschiedener Verbrecher untermahlt wird. Dabei geht es vor allem darum, dass in Deutschland (und in der Schweiz ist es ja leider genau so schlimm), Sexualstraftäter oder auch Mörder viel sanfter angefasst werden, als Menschen, die beispielsweise Steuern hinterzogen haben. Diese kritischen Stimmen, die auch in der Handlung einen wichtigen Part ausmachten, fand ich sehr passend und auch sinnvoll eingebaut.

Schreibstil und Handlung:
Die Sprache empfand ich als sehr passend zur Handlung. Meiner Meinung nach wurde da ein äusserst einheitlicher Sprachfluss geschaffen, was sicher nicht immer ganz einfach ist, wenn zwei Autoren am Werk sind. Aber es scheint, als würden Fitzek/Tsokos im Team sehr gut funktionieren. Wie bereits geschrieben beschreibt die Sprache sehr detailliert und nahezu nüchtern, schafft es aber, die Emotionen der Figuren treffend und fassbar zu beschreiben und so für den Leser nachvollziebar zu machen.
Die Geschichte beginnt handlungstechnisch total vielversprechend. Auch fand ich die Idee sehr gelungen, Linda einzubauen, also eine Figur, die weder mit Gerichtsmedizin noch mit den sonst beteiligten Figuren etwas am Hut hat. Auch die Idee, dass der Gerichtsmediziner Herzmann von unterwegs aus und unter Zeitdruck telefonische Anweisungen zum Obduzieren geben muss, hat mich begeistert. Zudem sind die Szenenwechsel zwischen den einzelnen Handlungsorten spannend und passend gestaltet. Was mir wirklich nicht gefallen hat, war die ein wenig unnötige Handlung um den Exfreund von Linda, auf die ich nicht näher eingehen kann, ohne zu spoilern und die doch ein wenig zu konstruierten Verstrickungen, die sich am Ende ergeben haben.

Meine Empfehlung:
Ihr seht ich möchte euch dieses Buch trotz der gegen Ende ein wenig zu konstruierten Handlung sehr gerne empfehlen. Dies liegt vor allem daran, dass mich die Sprache und die Grundidee überzeugt haben und ich die gesellschaftskritischen Ankänge als passend und sinnvoll empfunden habe. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Abgeschnitten
Autoren: Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.
Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Taschenbuch: 400 Seiten
Sprache: Deutsch 
Verlag: Knaur
Erschienen: 01.10.2013
ISBN: 978-3-426-51091-9

Kommentare:

  1. WAS? Du hast es schon ausgelesen und rezensiert? Wahnsinn!!
    Tja, ich bin froh, dass du auch das Ende zu konstrueirt fandest. Ich habe zwar nicht "Abgeschnitten" gelesen und dein lesetempo zeigt ja, dass du begeistert bist, aber ich habe dir ja schon geschrieben, dass ich kein Fitzek Fan bin. Ich habe es 3x versucht. Alle drei Bücher waren absolut spannend, besonders "Splitter" und dann kam das Ende. Jedes Mal habe ich mich nur an den Kopf gegriffen und war unglaublich sauer, weil das Ende total aus der Luft gegriffen war. Und wenn man sieht, dass der Autor jedes halbe Jahr einen neuen Thriller raushaut, dann wundert mich das auch nicht wirklich....
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina

      Ich musste das Buch einfach beenden. Erstens war ich wirklich nicht müde und zweitens war ich alleine zuhause und habe mich schon ein wenig gegruselt, weshalb ich dann unbedingt das Ende kennen musste ;-)

      Ich habe nur "Die Therapie" von Fitzek gelesen und das Buch hat mir damals wirklich gut gefallen. Wie du sagst: der Stil ist toll, man fliegt nur so durch die Seiten, wenn man aber sieht, wie der Autor arbeitet, bleibt wohl aber wirklich nicht viel Zeit für Kreativität. Das ist eigentlich schade, da er einfach mehr Potential hätte und dies nicht gänzlich ausschöpft...

      Ich werde aber sicher noch ein Buch von ihm lesen. Vielleicht auch eines der alten Bücher. Gerade die neuen Thriller von ihm haben ja teilweise sehr gemischte Meinungen hervorgerufen.

      Alles Liebe dir
      Livia

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  2. Huhu Livia,

    das ging ja echt schnell! Als ich "Abgeschnitten" gelesen habe, war es bei mir auch nicht anders, das Buch ist so spannend, dass man es nur verschlingen kann! Jetzt wo ich so darüber nachdenke fällt mir ein, dass für mich das Ende auch etwas verwunderlich kam.

    Ich hatte auch erst vor noch ein bisschen nach Mitternacht weiterzulesen, aber dann war mein Sessel noch zu gemütlich und ich bin wohl eingenickt...dafür habe ich heute Nachmittag aber fleißig die knapp 200 fehlenden Seiten noch gelesen. :) Meine Rezi werde ich jetzt auch gleich noch schreiben, sie wird dann aber vermutlich erst Anfang bis Mitte der Woche online gehen. :D

    Herzliche Grüße,
    Kathi

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    1. Liebe Kathi

      Ja :-D Wie oben gesagt: Angsthase halt :-)

      Gerade beim Ende ist es halt total wichtig, dass dann die ganzen Fäden einigermassen realistisch zusammenführen. Ansonsten wird das einfach zu unglaubwürdig. Aber ansonsten wie gesagt: sehr fesselnd.

      Das wundert mich gar nicht, die Dinger sahen schon auf den Bildern urgemütlich aus. Schön aber, dass du dann den Sonntag noch ein wenig zum Lesen nutzen konntest.

      Alles Liebe und noch eine gute Woche
      Livia

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  3. Das Buch subbt schon eine gefühlte Ewigkeit auf meinem eReader rum. Deine Rezi hat mein Interesse auf alle Fälle neu geweckt. Vielleicht verschwindet es dadurch nun auch mal endlich von meiner to-read Liste :D Die Rezi macht auf jeden Fall Lust es zu lesen! :)

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    1. Das Buch war wirklich toll und lediglich der Schluss hat meiner Meinung nach nicht so gut gepasst. Der Schreibstil war aber grandios und sehr, sehr spannend.

      Alles Liebe dir
      Livia

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